GESUNDHEIT || Was bei einem Lymphödem hilft

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Das Lymphödem

Das Lymphgefäßsystem transportiert Wasser und Abfallstoffe aus dem Körper. Es funktioniert wie ein eigenes Kanalsystem. Durch eine Operation oder eine Chemotherapie kann das Lymphgefäßsystem beschädigt werden. Es kommt zu einem Lymphstau, der den Körper anschwellen lässt. Man nennt diese Schwellung Lymphödem. Ein Lymphödem ist meist eine schmerzlose Schwellung infolge zunehmender Flüssigkeitsansammlung im Gewebe.

Veränderungen an den Lymphgefäßen können im Alltag Probleme bereiten. Spätestens, wenn die gewohnte Kleidergröße nicht mehr bequem zu tragen ist, sollte man sich ärztlichen Rat einholen. Wenn die Beine zum Beispiel an den Oberschenkeln immer dicker werden oder anschwellen, helfen Sport und eine gezielte Lyphödem-Therapie, die sogenannte Komplexe Physikalische Entstauungstherapie.

Sport gegen Lymphstau und Lymphödem

Sport und gezielte Lymphödem-Gymnastik helfen, dass die Lymphe besser fließen kann und die Schwellung abnimmt.

Die Funktion des Lymphgefäßsystem

Das Gefäßsystem ist die Gesamtheit der den Organismus durchziehenden Blut- und Lymphgefäße. Im klinischen Gebrauch wird das Gefäßsystem oft nur zur Bezeichnung der drei Blutgefäße – Arterien, Venen und Kapillaren – verwendet.

  • Die Arterien führen das „frische“ Blut vom Herz weg und versorgen den gesamten Organismus mit Sauerstoff und lebensnotwendigen Nährstoffen.
  • Das „verbrauchte“ Blut wird von den Venen gesammelt und zum Herz zurück transportiert.
  • Haarfeine Blutgefäße, die Kapillaren, sind für die Versorgung des Gewebes verantwortlich.
  • Das Lymphgefäßsystem ist ein eigenständiges Gefäßnetz, das für die Entsorgung der Schadstoffe in unserem Körper verantwortlich ist.
    • Das Lymphgefäßsystem entsorgt pro Tag 2-4 Liter Flüssigkeit aus dem Gewebe. Diese Flüssigkeit, die vom Lymphgefäßsystem transportiert wird, nennt man Lymphe. Das Lymphgefäßsystem transportiert das gesamte Wasser aus dem Zwischengewebe ab sowie Säuren, Gifte und Entzündungsprodukte. Die Lymphknoten dienen als Filter, die diese Abfallprodukte herausfiltern und dabei auch Körperabwehrstoffe bilden. Danach wird die gefilterte Lymphe über den Herz-Venenwinkel wieder dem Blutkreislauf, genauer gesagt dem Venensystem, zugeführt. Über die Lymphknoten und die Funktion der Lymphknoten ist relativ viel bekannt, das Lymphgefäßnetz hingegen ist noch relativ unerforscht. Was passiert nun, wenn das Lymphgefäßsystem beschädigt wird?

Arten von Lymphödemen

Primäres Lymphödem
=angeborene Schädigung des Lymphgefäßsystems

ca. 1,8 % der gesamten Weltbevölkerung betroffen
Sekundäres Lymphödem
=später erworbene Schädigung des Lymphgefäßsystems



Es werden von Geburt an zu wenig Lymphgefäße und Lymphknoten gebildetMalignes Lymphödem (bösartig)

Mögliche Ursachen:
Krebs

Beispiel: Ein Tumor kann ein Lymphgefäßsystem abdrücken, sodass ein Lymphödem entsteht. Dieses wird in manchen Fällen vor dem Tumor erkannt.
Lymphgefäße werden nicht richtig ausgebildet, es fehlt Muskulatur (die Lymphbahnen verfügen über eine eigene Muskulatur) oder Klappen in den GefäßenBenignes Lymphödem (gutartig)

Mögliche Ursachen:
Operationen
Infektionen
Verletzungen

Infektionen sind weltweit die häufigste Ursache von Lymphgefäßerkrankungen. Besonders häufig ist dabei die Infektion mit Filarien in tropischen Ländern. Filarien sind kleine Würmer, die durch Mücken übertragen werden. Sie siedeln und vermehren sich im Lymphgefäßsystem. Diese Krankheit kann das Lymphgefäßsystem schädigen, sodass es zu einer Elephantiasis/Elephantenkrankheit kommen kann.

Bei einem Lymphödem helfen Gymnastik und Laufen

Diagnose von Lymphödemen

Fachärzte in diesem Bereich nennt man Phlebologen. Die Phlebologie beschäftigt sich zwar hauptsächlich mit Venenerkrankungen, Fachärzte der Phlebologie haben jedoch meist eine Zusatzausbildung im Bereich der Lymphgefäßerkrankungen. Diese Zusatzausbildung besitzen auch manche Allgemeinmediziner, Internisten oder Gefäßchirurgen. Bei einem Arztbesuch ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin sämtliche Beschwerden kennt. Seit wann treten die Schwellungen auf? Gibt es eine familiäre Vorbelastung? Gab es im Vorfeld eine Venenerkrankung? Gab es in der Vergangenheit Verletzungen, Operationen oder Bestrahlungen?

Für die Diagnose eines Lymphödems schaut sich der Arzt/die Ärztin das betreffende Körperteil an und tastet es ab. Im Anschluss führt er/sie einen Test durch, in dem er/sie das Stemmersche Zeichen ermittelt. Dafür versucht er/sie an der zweiten Zehe mit dem Finger eine Hautfalte anzuheben. Wenn das nicht funktioniert oder die Hautfalte verdickt ist, weil die Schwellung so stark auftritt, ist das Stemmersche Zeichen positiv. Das ist ein Anzeichen für ein Lymphödem.

Bei einem Ödem am Arm, lässt sich dieser Test auch an den Fingern durchführen. Eine weitere Möglichkeit zur Lymphödem-Diagnose ist die Volumenmessung, auch Perometer-Messung genannt. Dabei werden die Umfänge des betreffenden Körperteils gemessen. Anschließend erfolgt eine sogenannte Bioelektrische Impedanzanalyse. Sie ermittelt unter anderem den Wasser und Fettanteil des Körpers und liefert exakte Ergebnisse. Es ist möglich die Bio Impedanzanalyse zu Beginn der Behandlung und nach der Entstauungstherapie durchzuführen. So können die Ergebnisse und der Erfolg über den Therapieverlauf aufgezeigt werden. Ist die Diagnose gestellt, können die Therapiemaßnahmen beginnen.

Bei einem Lymphödem helfen Gymnastik und Laufen

Therapie von Lymphödemen

Eine Therapieform, die sich bewährt hat, ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE. Die Therapie des Lymphödems ist in zwei Phasen eingeteilt.

In Phase 1, auch Entstauungsphase wird die Flüssigkeit vermindert. In Phase 2 versucht der Patient das Ergebnis, das in Phase 1 erzielt wurde zu halten. Beide Phasen bestehen aus: Manueller Lymphdrainage, Hautpflege, Kompression und Bewegung. In der Phase 1 wird täglich die manuelle Lymphdrainage angewandt, anschließend die Hautpflege und die Kompressions-Bandagierung durchgeführt.

Es werden zuerst Bandagen anstatt Kompressionsstrümpfen verwendet, da das Lymphödem mit der Behandlung von Tag zu Tag kleiner wird. Ein Kompressionsstrumpf würde daher nach 2 Wochen Therapie rutschen. Bis das Ödem nicht weiter vermindert werden kann, werden daher Kompressions-Bandagierungen angelegt. In der Bandagierung hat der Patient seine Lymphödem-Gymnastik durchzuführen.

In Phase 2, der Erhaltungsphase kann der Patient dann seine medizinische Kompressionsbestrumpfung erhalten. Die manuelle Lymphdrainage sowie die Hautpflege werden in Phase 2 nur noch circa 1-2 Mal/Woche durchgeführt. Der Patient trägt dann seine maßgeschneiderte Kompressionsbestrumpfung. Der Patient muss dann auch in seiner Kompressionsbestruumpfung seine Lymphödem-Gymnastik durchführen. Die KPE ist der internationale Standard für die Behandlung des Lymphödems.

Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)

bestehend aus:
1. Lymphdrainage:

Nach der Lymphdrainage erfolgt die Hautpflege, darauf die Kompression mit Bandagen in Phase 1 und die Kompressionsbestrumpfung in Phase 2.
2. Hautpflege
3. Kompression
4. Bewegung:

Lymphe kann besser abfließen, die Schwellung geht zurück
Ernährung:

Gewicht verringern
Motivation

Der Arzt/die Ärztin stellt die Rezepte für die manuelle Lymphdrainage sowie für die medizinischen Kompressionsstrümpfe aus. Insgesamt erzielt die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie gute Ergebnisse und Patienten halten ihr Ödem mit dieser Therapie konstant.

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6 Responses

  1. Lena
    | Antworten

    Hallo und danke für diese Abhilfetipps beim Lymphödem. Ich wusste gar nicht, dass das KPE in so viele Schritte unterteilt wird. Hautpflege ist schon ein wichtiger Schritt, alleine um sich wohler zu fühlen. Mein Vater macht bald eine Fortbildung im Gebiet der manuellen Lymphdrainage und kann dann auch neuen Patienten helfen.

  2. TeamTramunquiero
    | Antworten

    Hallo liebe Lena,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich, wenn dir der Beitrag gefällt. Wenn ihr neue Patienten habt, dann schreibt gerne auch eure Tipps in die Kommentare oder schreibt mir per Mail: team@tramunquiero.com, dann nehme ich diese gerne in den Beitrag auf. Bilder wären auch super! 🙂

    Die Lymph-Gymnastik (Video) hilft wirklich gut gegen die Schwellungen.

    Liebe Grüße
    Sarah von Tramunquiero

  3. Joachim Hussing
    | Antworten

    Danke, dass Sie erklären, was bei Lymphödemen hilft. Meine Freundin versucht, mehr über die manuelle Lymphdrainage zu erfahren. Ich werde diesen Blog mit meiner Freundin teilen, da sie mehr Informationen sucht, die ihr bei ihrem Gesundheitszustand helfen können.

  4. TeamTramunquiero
    | Antworten

    Hallo Joachim,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich denke Sport und Bewegung helfen gut, ich würde auch alles versuchen, neben der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) auch die Alternative Medizin, beispielsweise die TCM, die die älteste Medizin der Welt und erfolgreich ist.

    Viel Erfolg & alles Liebe
    Sarah von Tramunquiero

  5. Yelena
    | Antworten

    Bei meiner Mutter wurde vor kurzem von einer Lymphologin Lymphödem diagnostiziert. Ihr geht es seither schlechter und ich möchte sie auf dem Weg zur Genesung unterstützen. Ich werde ihr ausrichten, dass Sport und gezielte Lymphödem-Gymnastik bei dem Fluss der Lymphe und Schwellungen helfen.

    • TeamTramunquiero
      | Antworten

      Hallo Yelena,

      vielen Dank für deinen Kommentar und gute Besserung!

      Alles Liebe
      Sarah von Tramunquiero

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